top of page

Der eigene Purpose - warum es so wichtig ist, wie wir unsere Zeit nutzen

Aktualisiert: 5. Sept. 2023

... ein Intro ins Was, Warum & Wie des Purpose


Wir starten mit einem kleinen Gedanken-Experiment: Wenn Du nur noch eine Woche hast, bevor die Welt untergeht - womit würdest Du die verbliebene Zeit füllen? Notiere die ersten 5 Menschen, Dinge oder Tätigkeiten, die dir in den Sinn kommen.


Nun der Abgleich: Wie viel von dem, was Du Dir aufgeschrieben hast betrifft Dein Privatleben? Und wie viel Zeit würdest Du mit arbeitsbezogenen Aufgaben verbringen? Wenn ich diese kleine Denkübung zu Beginn eines #Coachings durchführe, sind die Antworten meist recht eindeutig: Man würde die übrigen Tage und Stunden mit seinen Liebsten verbringen - mit Familie, Freunden und Bekannten. Manche geben an, etwas völlig Verrücktes, wie z.B. Bungee-Jumping auszuprobieren. Aber überwiegend würden wir die verbleibenden Momente dann doch lieber mit Menschen und Dingen verbringen, die einen auch so tagtäglich glücklich machen und erfüllen. Arbeit gehört in der Regel selten dazu. Genauso selten gibt auch nur ein:e Teilnehmer:in an, irgendetwas Berufsbezogenes auf der Liste stehen zu haben.


Die Sache mit der Zeit

Und dabei nimmt Arbeit in unserem Leben nicht gerade wenig Zeit ein. Die Statistik sagt: Ganze 7 Lebensjahre beansprucht unser Job im Durchschnitt. Im Vergleich dazu schlafen wir 17 Jahre, investieren 3 Jahre in die Nahrungsaufnahme und 4 Monate in Sport. Nur 1 Jahr gönnen wir uns Entspannung und lediglich 9 weitere Monate schaufeln wir für soziale Kontakte frei (Daily Life in 23 Countries, 2011). Ein weiterer Fun-Fact an dieser Stelle ist, dass beinahe jeder vierte Deutsche ( in Summe ca. 23%) unmotiviert ins Büro geht und Deutschland damit zum "Frustweltmeister" macht. Der Grund: mangelnde Selbstverwirklichung im Arbeitsalltag (Spiegel, 2020). Ganze 7 Lebensjahre verbringt ein Großteil von uns also damit, etwas zu tun, was uns nicht glücklich macht, denn ohne Sinn kein #Glück - so einfach ist das. Ein guter Zeitpunkt also, um Paulo Coelho zu zitieren:

Eines Tages wirst du aufwachen und keine Zeit mehr haben für Dinge, die du immer schon tun wolltest. Tu sie jetzt.

Na, wenn das mal so einfach wäre. Nicht selten sehe ich die Augenbrauen hier skeptisch unter dem Haaransatz verschwinden. Schließlich müssen wir alle arbeiten, um Geld zu verdienen und uns die schönen Dinge überhaupt leisten zu können. Und irgendwann gehen wir ja auch in Rente und können den Rest getrost nachholen... oder?


Der Sinn und Zweck eines Purpose

Wir jagen jeden Tag den Häkchen unserer Checkboxen hinterher. Dabei geben wir gerne mal unsere eigene #Verantwortung, bewusst eigenständige Entscheidungen für unser Leben zu treffen, an die einzelnen Posten auf unseren To Do-Listen ab. Ohne weiter darüber nachzudenken, wo diese uns hinführen. Ob sie uns überhaupt da hin führen, wo wir hin wollen - sei es die nächste Stufe auf der Karriereleiter oder das persönliche Glück. Was sich als dringlich genug in unser Aufmerksamkeits-Spektrum drängt wird zuerst erledigt. Nicht selten priorisieren wir also das, was eigentlich wichtig und entscheidend wäre, zugunsten der kleinen Feuer des Alltags nach unten (siehe letzter Blogpost). Dieser feine Teufelskreis führt uns, obwohl wir berechtigterweise dem Eindruck erliegen ganz viel erledigt zu haben, nicht schneller zum Ziel. Falls er uns überhaupt dorthin bringt, dann viel viel langsamer. Denn in dem ganzen Dringlichkeits-Dickicht verlieren wir an #Effizienz und damit gleichzeitig auch an #Effektivität.


Und hier kommt der Purpose ins Spiel. Unser Zweck der Existenz. Unser ganz persönliches "Warum". Oder wie William Arruda ("Ditch, Dare, Do", 2012) es weniger esoterisch auf den Punkt bringt:

A personal purpose is a powerful tool because it provides you with a path for success, and it gives you permission to say no to the things that are distractions.

Da haben wir ihn also, den Kompass durch den Nebel der alltäglichen Entscheidungen. Und tatsächlich ist es sogar wissenschaftlich bewiesen, dass es uns #erfolgreicher, aber auch #authentischer und #glücklicher macht, nach unserem persönlichen Purpose zu leben (Craig & Snook, 2014). Umso erstaunlicher ist es, dass die wenigsten von uns ihr "Warum" klar vor Augen haben. Konkret sind es unter den Führungskräften laut einer im Harvard Business Review zitierten Studie von 2014 sogar weniger als 20%. Wie kann jemand führen und in seiner Rolle als Leitfigur eine #Vision verkörpern, wenn er oder sie diese gar nicht eindeutig benennen kann? Wie können wir unsere Lebenszeit wertvoll und sinnstiftend gestalten, wenn wir auf die Fragen: "Warum sind wir hier?", "Was ist unsere Bestimmung?", "Wo wollen wir im Leben hin?" ,"Wer wollen wir sein?" keine greifbaren Antworten parat haben?


Warum der Purpose überhaupt Thema ist

Die Fragen zum Grund der eigenen Existenz überhaupt zu stellen wirkt fast trivial. Jeder von uns hat doch irgendwie auf dem Schirm, warum er oder sie hier ist. Warum fällt es dann so schwer und man braucht in einem Coaching gut und gerne mehrere Stunden, bis der Purpose sitzt und man sich mit dem aus vielen Anläufen resultierenden Sätzchen ("Purpose Statement") auch wirklich identifizieren kann? Dafür haben sich aus der Erfahrung der letzten Monate mehrere Gründe herauskristallisiert.


#1 Zum einen sind wir es nicht gewohnt, unser Privat- und Arbeitsleben über einen Kamm zu scheren.

Wie lautet deine Antwort, wenn dich jemand fragt: "Und, wer bist du so?"

Die meisten von uns antworten je nach Gegenüber mit einem Sätzchen wie: "Ich heiße ABC arbeite bei XY als YZ" oder einfach sowas wie "Ich bin Mama:Papa und arbeite in Teilzeit". Welche der beiden Antwortoptionen wir wählen hängt nicht selten davon ab, wen wir vor uns haben und welchen Eindruck wir beim Fragensteller hinterlassen möchten. Vor allem die Deutschen definieren sich gerne über ihren Job/Arbeitgeber und weniger über das, was wir beispielsweise in unserer Freizeit tun. Spannend, wenn doch 23% von uns zumindest nicht zu 100% mit dem Herzen tun, was sie eben so tun.


#2 Ebenso würden vermutlich einige unterschreiben, dass sie in ihrem Beruf, vor Kollegen und vor allem vor dem Chef eine andere Rolle einnehmen, als zu Hause. Die gesamte New Work-Bewegung basiert praktisch auf der Annahme, dass die meisten von uns mindestens die Hälfte ihrer Persönlichkeit zu Hause lassen, wenn sie morgens ins Büro gehen. Denn irgendwann haben wir alle einmal gelernt, dass Professionalität unter anderem so etwas wie Emotionen oder zu stark ausgeprägte Charakterzüge am Arbeitsplatz nicht gut heißt.


#3 Was sich auch gerne gegenseitig ausschließt sind Ziele hinsichtlich der Anzahl an Stufen auf der Karriereleiter versus Anzahl an Kindern. Der Klassiker. Wobei es mehr als nur diesen einen Fall gibt, wo die Visionen für die beiden Lebensbereiche Privat und Beruflich nicht unbedingt friedvoll Hand in Hand gehen. Wer von uns kann schon behaupten, er:sie würde alljährliche Sabbaticals ausschlagen, wenn der Aufstieg dadurch nicht gefährdet würde?


Es gibt sicherlich mehr als nur die drei genannten Gründe. Was sie jedoch alle gemeinsam haben ist, dass wir Privates von Beruflichem überwiegend trennen. Warum? Irgendwann haben die meisten von uns gelernt, dass man das eben so macht. Das kann allerdings dazu führen, dass wir ins Schleudern geraten, wenn in einem der beiden Bereiche etwas Unerwartetes passiert - zum Beispiel durch eine unverhoffte Kündigung, den überraschenden Tod eines Familienmitglieds oder schlicht durch sich verändernde Prioritäten. Wie gehen wir nun aber damit um, wenn die Grenzen anfangen zu verschwimmen? Wie reagieren wir, wenn sich plötzlich doch die Frage stellt, wie sich das eine auf das andere auswirkt und wir uns nicht voll und ganz dem darauf folgenden Chaos ausliefern wollen? Die Antwort findet sich im persönlichen Purpose Statement und der ganzheitlichen Betrachtung aller unserer Lebensbereiche.


Purpose gut und schön - aber wie?

Your Purpose is not what you think it should be. It’s who you can’t help being.

Den eigenen Purpose zu formulieren erfordert eine holistische Perspektive. Es erfordert alle Faktoren in die Rechnung einzubeziehen.

Dazu gehören zum einen unsere #Werte: Worauf basieren unsere Entscheidungen? Wonach richten und urteilen wir? Wie begegnen wir uns selbst und anderen? Gibt es einen Unterschied zwischen Werten im Privaten und Werten im Beruflichen?

Haben wir unser Wertesystem vor Augen, haben wir damit die beste Ausgangsbasis für unseren Purpose.


Zum anderen müssen wir definieren, für wen wir einen (Mehr-)Wert generieren möchten: An wen richtet sich also unser Purpose? An uns selbst? An unser Umfeld? An unsere Kollegen? Oder schließt er vielleicht sogar den gesamten Planeten mit ein? Grenzen setzt nur du dir selbst.


Um einen Wert in die Welt zu tragen, müssen wir uns über unsere #Stärken und #Schwächen im Klaren sein. Wir müssen unsere Superpower identifizieren, die uns dabei hilft, den eigenen Purpose zu leben: Wofür brennst du? Was treibt dich an? Wo kannst du andere mitreißen, inspirieren, anleiten? Und wo hingegen arbeitest du lieber im Team oder untersuchst Unterstützung von anderen?


Und weil der Purpose etwas Persönliches ist, fehlen noch zwei entscheidende Komponenten: Zum einen müssen wir unsere eigenen #Bedürfnisse formulieren, also das, was wir für uns selbst erreichen wollen. Zum anderen soll das Purpose Statement #authentisch sein. Und Authentizität entsteht nicht durch das Jonglieren mit möglichst vielen Buzzwords. Ganz im Gegenteil. Es hat weniger mit dem zu tun, was wir darstellen möchten, als vielmehr mit dem, was wir ohnehin bereits verkörpern. Wie Craig und Snook es in einem HBR-Artikel (2014) auf den Punkt bringen, kann dein Purpose Statement auch so gar nicht schmeichelhaft ausfallen: "Be the thorn in people`s sight, that keeps them moving!" oder aber zumindest auf den ersten Blick wenig mit der eigenen Rolle im Berufsalltag zu tun haben: "To wake you up and have you find that you are home!"Sich hierfür eine Außenperspektive einzuholen, kann helfen: Wie würde ich mich selbst in drei Attributen beschreiben? Welche drei Attribute schreiben mir Freunde, Familienmitglieder oder Bekannte zu? Und welche wählen Kollegen für mich?


Zu guter Letzt gilt es, all das in ein kurzes, aussagekräftiges Statement zu verpacken, das eindeutig benennt, wer du bist, was dich antreibt, ausmacht und glücklich macht. Die Betonung liegt hierbei auf kurz. Je prägnanter und eindeutiger, desto besser, denn schließlich soll dir das Sätzchen künftig als Wegweiser für deine Entscheidungen dienen.


Bist du neugierig geworden und möchtest deinen individuellen Purpose für dein Leben oder deine Stellung als Führungskraft definieren? Dann nimm gerne Kontakt zu mir auf und wir führen dich zurück zu deinem authentischen Ich!




95 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Comments


bottom of page